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Gender Pay Gap: Diese Fakten sollten nicht nur Frauen kennen

Frau mit Blumen
Bildquelle: Barclaycard

Er ist Dauerthema in Politik, vielen Firmen und Privathaushalten: der Gender Pay Gap. Aber was steckt eigentlich hinter dem Begriff und warum spricht man vom bereinigten und unbereinigten geschlechtsspezifischen Lohngefälle?

Der Gender Pay Gap ist ein Wert, der die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede veranschaulichen soll. Er wird in Prozent angegeben. Innerhalb der EU wird er einheitlich berechnet – in Deutschland macht das das Statistische Bundesamt. Basis der Berechnung des GPG in Deutschland ist der durchschnittliche Bruttostundenlohn von rund 1,9 Millionen sozialversicherten Männern und Frauen aus verschiedenen Berufs- und Branchengruppen.

Der unbereinigte Gender Pay Gap: Allgemeiner Vergleichswert

Beim Gender Pay Gap wird zwischen „unbereinigt” und „bereinigt” unterschieden. Was bedeutet das? Der unbereinigte Wert umfasst die offensichtliche Differenz der Bruttolöhne von Männern und Frauen unter Berücksichtigung aller Arbeitnehmer. Das heißt: Ob Vollzeit- oder Teilzeitbeschäftigung, ob fest angestellt oder als Praktikant tätig – der Verdienst aller Arbeitnehmer wird 1:1 mit eingerechnet. Alles, was die Einkünfte zusätzlich beeinflusst, sprich Stundenarbeitszeit, Qualifikation oder Branche, wird hingegen nicht berücksichtigt.

Der bereinigte Gender Pay Gap: Differenzierter Wert

Da der unbereinigte Gender Pay Gap vergleichsweise ungenau ist, gibt es die bereinigte Variante. Dadurch sollen statistische Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern besser verglichen werden können; die Analyse der Gehaltslücke erfolgt daher unter Berücksichtigung verschiedener Parameter, unter anderem:

  • Qualifikation
  • Ausbildung
  • Berufsgruppe
  • Berufserfahrung
  • Position
  • Beschäftigungsumfang (Teil- oder Vollzeitbeschäftigung)
  • Betriebsgröße

Da der bereinigte Gender Pay Gap genauer ist, fällt er für gewöhnlich wesentlich kleiner aus als der unbereinigte Wert.

Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern

In Deutschland wird der bereinigte Gender Pay Gap nur alle vier Jahre ermittelt, da die Berechnung komplex ist und daher entsprechend Zeit benötigt. Der letzte Wert stammt aus dem Jahr 2014 und liegt bei sechs Prozent.

Aber warum gibt es den unbereinigten Gender Pay Gap noch, wenn dieser so ungenau ist? Kurz gesagt: Er dient als europäischer Vergleichswert. In Deutschland verdienen Frauen im Mittel 21 Prozent weniger als Männer – laut Statistischem Bundesamt der dritthöchste Wert in der EU (Stand 2016). Nur in Estland und der Tschechischen Republik ist das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen noch größer.

Folgen des Gender Pay Gaps

Der Gender Pay Gap hat nicht nur Auswirkungen auf die aktuelle, sondern auch auf die zukünftige Finanzlage von Frauen. Denn die Lohnlücke beeinflusst die Rentenansprüche: Frauen, die geringer entlohnt werden, bekommen im Alter entsprechend geringere Altersbezüge. Dies zeigt sich am Gender Pension Gap (geschlechtsspezifische Altersvorsorgelücke), der in Deutschland laut dem OECD Gender Portal bei über 45 Prozent liegt (Stand 2011) – übrigens der höchste Wert im EU-Vergleich.

Equal Pay Day

Die Debatte um den Gender Pay Gap stärkt das Bewusstsein für die Problematik der Einkommensunterschiede – auch in Deutschland. Aus diesem Grund wurde beispielsweise der Equal Pay Day gegründet, ein internationaler Veranstaltungs- und Informationstag, der die Aufmerksamkeit auf die Gehaltsunterschiede von Männern und Frauen lenken soll. Die Ursprünge liegen in den USA, wo er 1966 ins Leben gerufen wurde, um das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern deutlich zu machen und aufzuheben.

Der Equal Pay Day findet in Deutschland an jeweils dem Tag im Jahr statt, an dem Frauen die errechnete Einkommensdifferenz zu den Männern aus dem Vorjahr theoretisch „erarbeitet” hätten. Der nächste Equal Pay Day findet am 18. März 2019 statt – der Tag, an dem die laut unbereinigtem Gender Pay Gap aktuell 21 Prozent große Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen symbolisch gesehen „ausgeglichen” wäre. Die Einkommensdifferenz entspricht damit derzeit 77 Kalendertagen pro Jahr.

Autor: Barclaycard
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